Vorstandsvergütung objektiv analysieren. Algorithmisch. DCGK-konform. KI-gestützt.
Governance Engineering ist das erste Benchmarking-System, das Vorstandsvergütungen über sechs Dimensionen vergleicht — mit eingebautem Anti-Inflationsschutz und KI-gestützter ESG-Klassifikation. Entwickelt als wissenschaftliches Forschungsprojekt an der Universität Duisburg-Essen.
Das Benchmarking-Paradoxon: Warum aktuelle Vergütungsanalysen versagen
89% der börsennotierten Unternehmen nutzen Peer-Group-Vergleiche für Vorstandsvergütungen. Das klingt nach Best Practice — ist aber wissenschaftlich nachgewiesen dysfunktional.
Opportunistische Peer-Selektion
Vergütungsausschüsse wählen Vergleichsunternehmen, die ein gewünschtes Vergütungsniveau rechtfertigen. Forscher nennen das "Shoot the Arrow, Then Paint the Target" (Iyer, Palmon & Sankaran, 2023).
Der Leapfrogging-Effekt
Unternehmen streben das 75. Perzentil an. Jedes will "überdurchschnittlich" bezahlen — das Ergebnis: +400% CEO-Vergütung zwischen 1980 und 2004 (DiPrete et al., 2010).
Fehlende ESG-Standards
93% der europäischen Großunternehmen integrieren ESG-Kriterien in Vergütungsmodelle — aber es gibt keinen universellen Standard. Das öffnet die Tür für Greenwashing.
DCGK G.3 warnt explizit: "Der Peer Group-Vergleich ist mit Bedacht zu nutzen, damit es nicht zu einer automatischen Aufwärtsentwicklung kommt."
Der 6-dimensionale Peer-Group-Algorithmus
Statt 1–2 Vergleichskriterien analysiert unser Algorithmus jedes Unternehmen über sechs gewichtete Dimensionen:
| Dimension | Gewichtung | Was wird verglichen |
|---|---|---|
| Branchenzugehörigkeit | 25% | SIC-Code-Hierarchie (4-stellig bis Mega-Cluster) |
| Unternehmensgröße | 30% | Bilanzsumme + Umsatz |
| Finanzielle Performance | 15% | Umsatz-/Bilanzsummen-CAGR, Zielerreichungsgrade |
| ESG-Performance | 10% | 16 ESG-Metriken (S&P/LSEG-kompatibel) |
| Vergütungsphilosophie | 10% | Fix/Variabel-Struktur, STI/LTI-Balance |
| Governance-Qualität | 10% | Board-Independence, Disclosure-Qualität |
Ergebnis: Ein objektiver Ähnlichkeitsscore zwischen 0 und 1 — vollständig transparent und nachvollziehbar.
Der Anti-Inflationsmechanismus
Drei aufeinander aufbauende Filter verhindern die vom DCGK G.3 gewarnte Aufwärtsentwicklung:
1. Größenfilter (3x-Schwelle)
Bidirektional — kein Benchmarking eines Mittelständlers gegen DAX-Konzerne.
2. IQR-Vergütungsfilter
Statistische Ausreißererkennung nach Tukey (1977) eliminiert extreme Vergütungswerte.
3. Bias-Score-Analyse
Transparente Bewertung, ob die Peer-Group systematisch nach oben oder unten verzerrt ist.
100% Erfolgsrate — jeder einzelne Ausreißer wurde in der wissenschaftlichen Evaluation erkannt und entfernt.
KI-gestützte ESG-Klassifikation
Zwei Sprachmodelle analysieren Unternehmenstexte parallel:
Consensus Score (93,1%): Strukturelle Übereinstimmung beider Modelle.
Agreement Score (78,4%): Inhaltliche Bewertungsübereinstimmung.
Wo die Modelle sich widersprechen, ist menschliche Expertise gefragt — genau so ist das System designt.
Für alle, die Vergütungsentscheidungen verantworten
Aufsichtsräte und Vergütungsausschüsse
Objektive, algorithmische Grundlage für Vergütungsentscheidungen. Vollständige Audit-Trails. Schutz vor dem Vorwurf opportunistischer Selektion.
Vergütungsberater
Standardisiertes, DCGK-konformes Verfahren. Das Tool augmentiert Ihre Expertise — es ersetzt sie nicht.
Investoren und Stimmrechtsberater
Schnelle, datenbasierte Vergütungsanalyse. Batch-fähig für Portfolio-Analyse.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Entwickelt als Masterarbeit an der Universität Duisburg-Essen (Mercator School of Management) bei Prof. Dr. Marc Eulerich. September 2025.
Methodik: Design-Science-Research (DSRM) nach Peffers et al. (2007), erweitert durch MLPM und FEDS.
Theoretische Fundierung: Agency-Theorie (Jensen & Meckling, 1976), Stakeholder-Theorie (Freeman, 1984), Behavioral Agency Theory (Pepper & Gore, 2015), Benchmarking-Forschung (DiPrete et al., 2010).
KI unterstützt — sie ersetzt nicht
"AI supports transparency and structuring; it does not replace professional judgment."
Das System strukturiert komplexe Vergütungsinformationen und macht sie objektiv vergleichbar. Die finale Entscheidung bleibt dort, wo sie hingehört: beim Menschen.
Die Metriken
Technologie
Next.js 14 · React · TypeScript · Tailwind
FastAPI (Python) · SQLAlchemy
SQLite (315 Unternehmen, 142 Spalten)
GWDG Academic Cloud (SauerkrautLM 70B) + GPT-4
Dual-Model ESG-Klassifikation
Docker (Single-Container)
Häufige Fragen
Was unterscheidet Governance Engineering von traditioneller Vergütungsberatung?
Traditionelle Beratung basiert auf manueller Peer-Group-Selektion, anfällig für Upward-Bias. Governance Engineering nutzt einen algorithmischen 6-dimensionalen Ansatz mit Anti-Inflationsschutz und Audit-Trails.
Wie stellt das Tool die DCGK-Konformität sicher?
Drei konkrete Filter: bidirektionaler Größenfilter, statistischer Vergütungsausreißer-Filter nach Tukey, transparente Bias-Score-Analyse. Jeder Filterschritt im Audit-Trail dokumentiert.
Kann das Tool echte Unternehmensdaten verarbeiten?
Der Prototyp enthält 315 Unternehmen (5 mit Realdaten, 310 synthetisch). Die Produktversion wird über automatisierte Datenpipelines gespeist.
Wie funktioniert die ESG-Klassifikation?
Im Dual-Modus analysieren zwei Sprachmodelle parallel denselben Text. Consensus Score (93,1%) zeigt strukturelle Übereinstimmung, Agreement Score (78,4%) inhaltliche Ähnlichkeit.
Ist das System produktionsreif?
Wissenschaftlich evaluierter Prototyp mit 96,3% Erfolgsrate. Produktifizierung in Vorbereitung.